
Die ältesten Spuren des Menschen gehen in der Versilia auf das Neolithikum zurück. Es wurden Funde in den Höhlen von Piano di Mommio gemacht, auch wenn die ersten grösseren Niederlassungen auf die Zeit der Ligurer-Apuaner, die aus den Bergen kamen, und später auf die Etrusker zurückgehen. Aus der Etruskerzeit stammen auch die Reste der Ansiedlung in "Bora dei Frati", die man noch heute bei Pietrasanta besichtigen kann, und die etruskische Hütte bei Seravezza.
Die Römer haben als erste begonnen, das Gebiet durch Kolonialisierung zu verändern. Es wurden langwierige und grosse Wasserbauarbeiten für die Flussumleitung um den Massaciuccoli-See und den Küstenbereich, der damals aus einem ausgedehnten Sumpfgebiet mit der ständig lauernden Gefahr der Malaria für das ansässige Volk bestand, unternommen.
Damals, in der Entwicklungsphase, war Massaciuccoli mit dem römischen Handelshafen am See der wichtigeste Ort und wurde "Fossae Papiriniae" genannt. Die städtische Struktur war entlang der strategischen Verkehrsachse der Via Aurelia di Emilio Scauro, die beim heutigen Hafen die Via Cassia Richtung Lucca traf, angeordnet. Diese Position hat in kurzer Zeit zur Entwicklung einer weitreichenden Ansiedlung mit vielen Villen geführt, die in den eigens gepflanzten Olivenhainen verstreut lagen und noch bis heute Spuren hinterlassen haben. Als die Langobarden die römischen Siedlungen besetzten, wurde die bisherigen Gewohnheiten und Bräuche stark erschüttert und eine Reihe von Auseinandersetzungen hat ab dem 10.Jhdt. den gesamten Küstenstreifen verwüstet; viele bestehende Burgen wurden zerstört und eine neue Gebietsteilung zwischen den Adelsfamilien wurde beschlossen. Die Evangelisation hat in dieser Zeit zum Bau der ersten Basiliken geführt, die uns zum Teil noch erhalten geblieben sind, aber das gesamte Gebiet war nun strukturell von ringsum verstreuten Siedlungen geprägt, die hauptsächlich an den Marmorabbau und -handel und an die Eisenproduktion gebunden waren, wie z.B. Seravezza, Forte dei Marmi oder Stazzema.
Ungefähr ab dem 13.Jhdt. festigte sich die Odnung des Gebietes teilweise mit der Gründung der beiden Städte, die die mittelalterliche Entwicklung unter der Herrschaft Luccas symbolisieren: Pietrasanta und Camaiore. Pietrasanta wurde 1255 um die langobardische Burg neu gegründet und verstärkte seinen Verteidigungscharakter unter Castruccio Castracani; Camaiore, eine Stadt römischen Ursprungs, wurde zur gleichen Zeit praktisch neu erbaut und hatte dann bis zum 19. Jhdt. eine grosse wirtschaftliche und soziale Entwicklung.
Die Geschichte Viareggios ist von wechselhaften Ereignissen geprägt und an die Zeit der lucchesischen Herrschaft gebunden. Die Stadt konzentrierte sich um das Jahr 1200 um die "Torre di via Regia" , eine kleine Festung, die sich auf der von Barbarossa beschrittenen Strasse befand und später der Torre Matilde wegen dem wachsenden Interesse Luccas für den Burlamacca-Kanal weichen musste. Die schwierigen Umweltbedingungen des Sumpfgebietes haben diesen Bereich bis Ende des 18.Jhdts., als die grossen Trockenlegungsarbeiten unternommen wurden und auch der heutige Pinienwald angelegt wurde, unbewohnbar gemacht.
Ab der zweiten Hälfte des 16.Jhdts. erfährt die ganze Region einen grossen wirtschaftlichen Aufschwung durch die Zurückeroberung Pietrasantas seitens der Florentiner, die nun den Marmor der Versilia für die S.Lorenzo Kirche nach dem Entwurf Michelangelos verwendeten. Diese Epoche stellt eine grosse Veränderung dar, die zur Öffnung neuer Marmorsteinbrüche und allgemein zur Ausbeutung des Marmors in diesem Gebiet führte, im Gegensatz zum 15.Jhdt., in dem der Marmor vorwiegend aus den nahen und leicht erreichbaren Steinbrüchen in Carrara gewonnen wurde. In diesem Zusammenhang steht auch die Entwicklung und Geschichte von Forte dei Marmi, das ursprünglich als einfache Schiffsanlegestelle für den Marmorhandel entstanden war und im 19.Jhdt. ein riesiger Lagerplatz am Hafen mit einer regen Handelsaktivität wurde. Mit dieser Branche wuchs auch die Stadt selbst sehr schnell und die Häuser um die Festung vermehrten sich zusehends.
Am Beginn des 20.Jhdts., mit der Entdeckung des Badetourismus', kommt es zu einer grossen Veränderung: Viareggio lebt durch seine Promenade auf der viale Regina Margherita mit den Cafés und Badeanstalten auf, und in Forte dei Marmi werden auch die kleinen Häuser um die Festung mit dem charakteristischen Steg ein beliebtes Fremdenverkehrsziel. Viareggio wird bald ein Zentrum der Mondänität und bekommt mit seinem neuen Aussehen durch die schönen Jugendstilfassaden den Beinamen "Die Perle des tyrrhenischen Meeres" verliehen; der Fremdenverkehr entwickelt sich im 20.Jhdt. auch durch den wichtigen kulturellen Beitrag, den berühmte Persönlichkeiten im raffinierten Ambiente der Cafés und durch den Aufenthalt in der Natur, die man heute noch in den Ortschaften dieser wunderschönen Küste geniessen kann, beigesteuert haben.